Interreg Ostsee: Was ist neu? Wann geht es los?

Nach langen Verhandlungen zwischen EU-Kommission, Förderprogramm und Mitgliedsstaaten gibt es nun konkrete Details zum neuen Interreg-Ostseeprogramm bis 2027 – inklusive erster Deadlines. Das neue Programm bietet interessante inhaltliche Schwerpunkte und einige administrative Vereinfachungen für Antragstellende, aber auch neue Herausforderungen für das Projektdesign.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte hat das neue Programm?

Das neue Programm gliedert sich in vier Prioritäten (siehe Box). Während es im Energie- und Umweltbereich viele Möglichkeiten gibt, brauchen soziale, sozialwirtschaftliche oder kulturelle Projekte etwas Kreativität, um den inhaltlichen Vorgaben zu entsprechen. Wir beraten Sie gerne zu Ihrer Projektidee!

(1) Innovative Societies

Die erste Priorität („Innovative Societies) bietet relativ viel Interpretationsspielraum. Hier können sich erstens Projekte bewerben, die die wirtschaftliche und gesellschaftliche Resilienz der Ostseeregion stärken („Resilient Economies and Communities“). Außerdem sucht das Programm Projekte, die sich versuchen, öffentliche Verwaltungen besser zu gestalten („Responsive Public Services“).

(2) Water-Smart Societies

Im Bereich „Water-Smart Societies“ bündelt das neue Programm alle Projekte rund um Binnen- und Meeresgewässer, einschließlich der sogenannten „Blue Economy“.

(3) Climate-neutral Societies

Die dritte Priorität, „Climate-neutral societies”, richtet sich an Projekte aus den Bereichen Circular Economy, Energiewende und Mobilität.

(4) Cooperation Governance

Die vierte Priorität, „Cooperation Governance“, ist zum jetzigen Zeitpunkt für die meisten Partner (noch) nicht relevant. In erster Linie richtet sich diese Priorität an die Policy-Area-Koordinatoren der EU-Strategie für den Ostseeraum (EUSBSR). Außerdem werden Vernetzungsprojekte gefördert (sogenannte „Platform Projects“).

Welche administrativen Vereinfachungen gibt es im neuen Programm? Was ist komplizierter geworden?

Zu den drei wichtigsten administrativen Vereinfachungen gehören sicherlich die Folgenden. Erstens müssen Projektpartner unter bestimmten Bedingungen nicht mehr alle sechs Monate ihren  Partnerbericht zertifizieren lassen. Zweitens wird vermehrt mit Pauschalsummen („Flatrates“) gearbeitet. Dies betrifft zum Beispiel die Reisekosten, aber auch bei den Personalkosten gibt es Vereinfachungen. Drittens gibt es neuerdings eine einheitliche Förderquote für alle Programmländer: 80% (Ausnahme: 50% für Norwegen, Russland und Belarus noch unklar). Aufwändiger erscheinen hingegen die neuen Regelungen zu State-Aid – also zu staatlicher Beihilfe. Außerdem kommt es zukünftig schneller und einfacher zu einem „de-commitment of funds“, also zur teilweisen Zurücknahme von genehmigten Projektbudgets, wenn die Partner weniger ausgeben als geplant. Daher müssen Lead Partner noch deutlich stärker auf ein stringentes Finanzmanagement und Monitoring achten.

Welche Neuigkeiten muss ich im Projektdesign beachten?

Das neue Programm (Interreg Ostsee 2021-2027) kommt im Vergleich zum alten Programm (2014-2020) mit entscheidenden Neuerungen für alle Menschen, die Projekte entwickeln. Standard-Projekte werden neuerdings „core projects“ genannt. Gewünscht sind Projekte, die neue Lösungen für gemeinsame Herausforderungen im Ostseeraum bringen. Das neue Ostseeprogramm legt das Augenmerk deutlich stärker als bisher auf praktische Lösungen, die einen Mehrwehrt über die Partnerschaft hinaus haben. Diese Veränderung spiegelt sich auch in der Projektstruktur wider. Neuerdings müssen alle Projekte in drei zeitlich-inhaltliche Phasen eingeteilt sein: (1) Vorbereitung einer Lösung, (2) Pilotierung und Evaluierung, (3) Verankerung der neuen Lösung in den Zielgruppen des Projekts, über die Partnerschaft hinaus. Diese neue Struktur macht sich auch in den Arbeitspaketen bemerkbar, wo Projekte nur noch wenig eigenen Spielraum haben. Eine weitere Neuerung sind sogenannte „small projects“, die gerade für Newcomer interessant sein dürften. Mit kleineren Budgets (max. 500.000€) und kleineren Partnerschaften zielen diese Projekte vor allem auf Netzwerkbildung.

Interreg Ostsee 2021-2027: Wann geht es los?

Die Deadline für den ersten Call wird vermutlich im Frühling sein. Bislang (Stand 19.12.2021) hat das Förderprogramm noch keine finale Aussage zu diesem Thema gemacht hat. Aus nationalen, öffentlich zugänglichen Quellen geht hervor, dass der erste Call am 08. Februar 2022 öffnet. Die Deadline für „core projects“ ist demzufolge der 26. April, für „small projects“ der 30. März. Bewilligte Projekte werden wahrscheinlich im Herbst 2022 ihre Arbeit aufnehmen können.

Sie möchten ein Interreg-Projekt einreichen? Ob Interreg Ostsee 2021-2027 oder andere Programme: Wir unterstützen Sie gerne!

Weitere Informationen

Förderprogramm: Weitere Informationen finden Sie auch auf interreg-baltic.eu und interreg.de.
Leistungen: Unser Angebot für Projektentwicklungen
Referenzen: Unsere bisherigen Projekte im Interreg-Ostseeprogramm